25 Jahre Constructor University: Anna-Lena Schindl – die Pionierin
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Constructor University stellen wir Alumni der aus jedem Jahrgang vor, um die Diversität, Werte und den Einfluss zu zeigen, den unsere Absolvent*innen auf die Welt haben. Hier finden Sie die vorherigen Artikel:
- Class of 2004: Aakash Jain
- Class of 2005: Neil D’Souza
- Class of 2006: Joanna Bagniewska
- Class of 2007: Dr. Binyam Mogessie
- Class of 2015: Hashem Al-Ghaili
- Class of 2017: Arka Halder
Diese Woche geht es mit Anna-Lena Schindl aus dem Abschlussjahrgang 2012 weiter. Die Physikerin, die zur Investorin wurde und Unternehmerin, die als Principal bei Positron herausragende Forschung in erfolgreiche Unternehmen verwandelt.
Über mich:
- Abschlussjahr: 2012
- Studiengang: Physics
- College: C3
- Ein unvergesslicher Moment: Beim ersten Schnee die Hügel im Campus Green auf Mensatabletts runterzufahren - für manche war es der erste Schnee ihres Lebens.
- Was ich am Campus am meisten vermisse: die Nähe zu so vielen lustigen und interessanten Menschen – direkt nebenan.
- Der Kurs von dem ich immer noch Albträume habe: Particle Physics
- Meine Constructor Erfahrung in 3 Worten: schlaflos, bereichernd, prägend
Anna-Lena Schindl kam 2009 an die Jacobs University, um Physik zu studieren. Doch ihre wertvollsten Lektionen über Energie, Impuls und Wirkung sollte sie nicht im Physiklabor lernen, sondern vom unermüdlichen Geist einer jungen, wegweisenden Universität, die ihre Studierenden dazu ermutigte, ihr Umfeld aufzubauen, zu formen und mitzugestalten.
Genau das tat sie und steckte ihre Energie in die studentische Selbstverwaltung und akademische Angelegenheiten – Entscheidungen, die eine Karriere an der Schnittstelle von Wissenschaft und Start-ups in Gang setzten. Heute blüht sie darin auf, Teams um bahnbrechende Ideen herum aufzubauen. Als Investorin und Principal bei Positron in München hilft Anna-Lena Wissenschaftsunternehmern, die Brücke vom Labor auf den Markt zu schlagen, mit dem Ziel, große globale Herausforderungen zu lösen.
Wir haben mit Anna-Lena über ihren Weg von der Physikstudentin zur Investorin gesprochen und darüber, wie sie gelernt hat der eigenen Energie zu folgen, sich mit den richtigen Leuten zu umgeben und Wissenschaftler*innen zu unterstützen, deren Ideen die Welt dringend braucht.
Wenn du einen Aspekt deiner Zeit an der Jacobs University wählen müsstest, der dein weiteres Leben besonders positiv beeinflusst hat, welcher wäre es und warum?
Ich würde auf jeden Fall den „Pioniergeist“ nennen – die Ermutigung, Dinge selbst zu gestalten und Verantwortung dafür zu übernehmen, wie die Universität (und später die Welt) aussehen soll. Bevor ich mich einschrieb, machte ich eine unvergessliche Campus-Tour mit Jan Eichhorn, einem Studenten, der ein paar Jahrgänge über mir war. Auf dieser Tour verkörperte Jan diese Energie, die Universität aktiv mitzugestalten geradezu. Das hat mich sofort angesprochen und meinen eigenen Ehrgeiz geweckt.
Als ich Monate später an der Jacobs University ankam, gingen mir Jans Tour und seine Leidenschaft nicht aus dem Kopf. Es inspirierte mich, neue Herausforderungen anzunehmen: Ich trat der studentischen Selbstverwaltung (USG) bei, organisierte das allererste TEDx-Event auf dem Campus und entwarf im dritten Jahr mein eigenes, unabhängiges Studienprojekt. Das treibt auch weiterhin meine Arbeit mit und in Start-ups an und wird hoffentlich sehr bald zur Gründung meines eigenen Start-ups führen. Es war mein erster Geschmack von einem Umfeld, in dem ich aktiv mitgestalten und aufbauen konnte, und seitdem zieht es mich in solche Umfelder.
Hast du heute noch eine besondere Beziehung zu Personen, die du an der Jacobs University kennengerlernt hast?
Nun, ich bin mit einem Jacobs-Kommilitonen aus meinem Jahrgang verheiratet – dieses Treffen war also definitiv ziemlich prägend! Die Jacobs University war ohne Frage ein Schnellkochtopf, um Beziehungen auf die Probe zu stellen, aber sie hat mir einen unglaublichen Partner fürs Leben beschert. Außerdem ist meine Jacobs-Mitbewohnerin immer noch meine beste Freundin und wohnt im Moment glücklicherweise weniger als eine Stunde von mir entfernt.
Entscheidungsfindung ist ein zentrales Thema unseres 25-jährigen Jubiläums. Welche Entscheidungen aus Studententagen haben deinen Lebensweg geprägt?
Meine Entscheidung, für die studentische Selbstverwaltung (USG) zu kandidieren und dem Ausschuss für akademische Angelegenheiten beizutreten, erwies sich letztendlich als entscheidend für meine Karriere an der Schnittstelle von Wissenschaft und Start-ups. Vom ersten Tag an, als ich den Campus betrat, wusste ich, dass ich mich einbringen und die Universität mitgestalten wollte. Diese Energie war überall und vom ersten Moment an spürbar: Dies ist ein Ort zum Mitgestalten.
Ich beschloss, diese Energie in die Kandidatur für die studentische Vertretung zu stecken, und wurde in meinem zweiten Jahr gewählt. Außerdem trat ich dem Ausschuss für akademische Angelegenheiten bei, angetrieben von meinem Interesse, Antworten auf Fragen wie „Wie lehren und lernen wir?“ mitzugestalten. Dort traf ich Yehuda Elkana, der die Universität damals beriet. Er bot mir an, mich für ein Sommerpraktikum an ein paar junge Leute in Berlin zu vermitteln, die im Bildungsbereich arbeiteten. Ehe ich mich versah, landete ich als Physik-Bachelorstudentin bei einem Online-Bildungs-Start-up – dem ersten Unternehmen, das offene Online-Kurse in Europa anbot. In dem Sommer waren das eigentlich nur die drei Gründer und ich in einem Büro, aber ich durfte miterleben, wie das Team, das Unternehmen und das Produkt um mich herum aufgebaut wurden.
Diese Energie des Teams zu spüren und zu sehen, wie unsere Leidenschaft zum Leben erweckt wurde, hat mich für Start-ups begeistert. Es stand in starkem Kontrast zu meinen Erfahrungen im Physiklabor, und ich wusste, dass ich mehr davon in meinem Leben wollte. Als das 2011 passierte, war die Verschmelzung von Wissenschaft und Start-ups noch nicht so ein großes Thema wie heute. Also wich ich von meinem wissenschaftlichen Pfad ab, um die Start-up-Welt zu erkunden. Für meinen Master zog ich in die USA, weil ich die Start-up-Kultur des Silicon Valley aus erster Hand erleben wollte. Es hat einige Jahre gedauert, aber inzwischen habe ich die Wissenschaft wieder dazugeholt und arbeite heute genau an der Schnittstelle von beidem. Also ja, ich würde sagen, dass die nicht-akademischen Türen, die mir die Jacobs University geöffnet hat, meine Karriere letztendlich stärker geprägt haben als meine Kurse.
Erzähl uns gern mehr über deine Karriere nach Abschluss der Jacobs University, über deinen Weg, der Wissenschaft und Business kombiniert. Welche Erfahrungen haben dazu beigetragen und wie haben sie deine Perspektiven und Herangehensweise geprägt?
Nachdem ich die Jacobs University verlassen hatte, beschloss ich, meiner Energie in Richtung Start-ups zu folgen, ohne genau zu wissen, wie meine Rolle dort (mit einem Bachelor in Physik) aussehen würde. Während sich mein Master an der Stanford University hauptsächlich auf Kurse zum Thema Unternehmertum konzentrierte, fühlte ich mich letztendlich noch mehr von der d.school angezogen – offiziell das Institute of Design in Stanford, ein ziemlich spezieller, unkonventioneller Ort. Ich rechne es der d.school hoch an, dass sie mich dazu gebracht hat, mich mit Ungewissheit anzufreunden und Dinge zu tun, bevor ich weiß, wohin sie führen werden.
Ich versuche, diese Prinzipien nicht nur in meiner Karriere zu verinnerlichen, sondern auch in den scheinbar kleinen, alltäglichen Handlungen, die unser Leben prägen. Das kann bedeuten, meiner Intuition zu folgen und auf mein Bauchgefühl zu vertrauen, um die nächsten Schritte zu bewältigen; einen Ort zu verlassen, ohne zu wissen, wo der nächste sein wird; und mich in ungewissen Situationen wohlzufühlen, anstatt einem klaren Pfad und Lebenslauf zu folgen. Meine Kurse an der d.school legten zudem starken Fokus auf das „Warum“ – also sich nicht nur um Businesspläne und Pitch Decks zu sorgen, sondern das Problem, das man mit einer Innovation überhaupt lösen will, wirklich zu erforschen und zu verstehen. Das hat mich sehr angesprochen.
Nach meinem Master stieg ich bei mehreren Start-ups als erste Mitarbeiterin ein. Das gab mir die Möglichkeit, mit verschiedenen Konstellationen von Gründerteams zu arbeiten, sie zu beobachten und mit ihnen zu wachsen, wodurch ich unglaublich viel darüber gelernt habe, wie Menschen Teams und Organisationen führen. Ich habe ein Inkubator-Programm aufgebaut, das Wissenschaftler*innen dabei helfen soll, ihre Forschung aus dem Labor in Unternehmen zu bringen und habe begonnen, Wissenschaftsunternehmer*innen als Investorin zu unterstützen. Generell fühle ich mich zu Orten hingezogen, an denen ich Dinge ausprobieren und mitgestalten kann. In meiner aktuellen Karrierephase brüte ich gerade über einer Idee, die hoffentlich bald zu meinem eigenen Start-up wird, darauf aufbauend, was ich bei anderen über das Führen von Teams und den Aufbau von Organisationen beobachtet und gelernt habe.
Welchen Rat würdest du Studierenden oder Absolvent*innen geben, die selbst gründen wollen?
Ganz einfach: Mach es. Aber erkenne auch, dass es nicht schon morgen passieren muss. Anders als es sich vielleicht anfühlen mag, musst du nicht Anfang 20 sein, um ein Unternehmen zu gründen. Wenn du für ein bestimmtes wissenschaftliches Fachgebiet brennst, kann deine Promotion ein hervorragendes Sprungbrett für ein Start-up sein.
Umgib dich mit Menschen, die Dinge aufbauen, und beobachte, wie sie nicht nur Produkte, sondern auch Teams, Organisationen und Communities um sich herum aufbauen. Menschen sind bei all dem der Schlüssel. Die richtigen Leute für die gemeinsame Arbeit zu finden, ist so viel wichtiger als die perfekte Idee.
Arbeite an etwas, das dir wirklich am Herzen liegt, und nicht nur an etwas, das gerade im Trend liegt oder als „cool“ gilt. Wenn es etwas ist, das dir wirklich wichtig ist, dann wird dir der Aufbau dieser Sache – deine Ideen in der Welt zu sehen und andere auf diese Reise mitzunehmen – die Energie geben, um die auftretenden Herausforderungen zu meistern und deine Erfolge wirklich zu schätzen.
Wenn du an die heutigen globalen Herausforderungen und die nächsten 25 Jahre denkst: Was für ein bleibendes Erbe oder welchen Einfluss kann die Constructor University deiner Meinung nach auf die Welt haben?
Ich glaube, dass das genaue Studienfach immer unwichtiger wird, da sich unsere Welt in einem immer schnelleren Tempo verändert. Was stattdessen zählen wird, sind menschliche Kreativität und Scharfsinn: die Fähigkeit, die Initiative zu ergreifen und Veränderungen herbeizuführen, sowie Respekt und Offenheit im Umgang mit anderen Perspektiven und Meinungen. Die Jacobs University, die ich erlebt habe, hatte alle Zutaten, um Studierende hervorzubringen, die in diesen Qualitäten glänzen. Die Constructor University hat die Chance, dieses Erbe fortzuführen, indem sie ihren Studierenden mehr als nur ein Diplom in einer bestimmten Wissenschaft mitgibt – sondern die Werkzeuge und den Charakter, um sich in einer ständig verändernden Welt zurechtzufinden.
Vielen Dank für deine inspirierenden Worte, Anna-Lena!
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