ReligionsMonitor 2026: Soziale Beziehungen erholen sich, doch Vertrauen in Institutionen bleibt niedrig

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Klaus Boehnke, Professor of Social Science Methodology at Constructor University, co-authored the 2026 Religion Monitor, which empirically examines social cohesion and the role of religion in Germany.
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Klaus Boehnke, Professor of Social Science Methodology at Constructor University, co-authored the 2026 Religion Monitor, which empirically examines social cohesion and the role of religion in Germany. (source: Constructor University)

Deutschlands soziales Gefüge ist in den letzten Jahren schwächer geworden, ausgefranst durch globale Krisen und wachsendes Misstrauen gegenüber öffentlichen Institutionen. Könnte Religion jedoch ein Werkzeug für seine Erholung sein? Neue Erkenntnisse aus dem Religionsmonitor 2026, einer empirischen Studie der Bertelsmann Stiftung, mitverfasst von Klaus Boehnke, Professor für Sozialwissenschaftliche Methodenlehre an der Constructor University, ergaben, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland nach einem Tiefstand 2023 infolge der Corona-Pandemie Anzeichen einer Erholung zeigt und dass Religion bei der Stärkung sozialer Netze eine Rolle spielen könnte, wenn auch mit einigen wichtigen Einschränkungen. 

Gesellschaftlicher Zusammenhalt beschreibt, wie stark sich Menschen miteinander und mit der Gesellschaft, der sie angehören, verbunden fühlen. Die Bertelsmann-Studien haben den Gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland und anderen Ländern seit 2017 empirisch erfasst, wobei ein umfragebasiertes Instrument verwendet wurde, um neun Dimensionen des Gesellschaftlichen Zusammenhalts in drei Kernbereichen zu bewerten: soziale Beziehungen, Verbundenheit mit dem Gemeinwesen und Gemeinwohlorientierung. Die aktuelle Repräsentativbefragung unter mehr als 5.000 Erwachsenen in Deutschland ergab einen Gesamtwert von 51 Punkten auf einer Skala von 0–100 für den Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dies stellte eine Verbesserung gegenüber einem früheren Tiefstand von 46 Punkten im Jahr 2023 dar, liegt aber immer noch deutlich unter den 55 Punkten, die 2020 erzielt wurden.

Obwohl es in den neuesten Daten positive Anzeichen gibt, warnt Prof. Boehnke davor, diese Zahlen als eindeutige Erholung zu interpretieren. „Ich sehe den Wert von 51 nicht so sehr als Erholung, sondern als Hinweis darauf, dass der Gesellschaftliche Zusammenhalt möglicherweise immer noch einem milden, aber beunruhigenden Abwärtstrend im Vergleich zu den Werten vor der Pandemie folgt", sagt Prof. Boehnke. „COVID-19 war ein Jahrhundertereignis, das fast jeden Aspekt des sozialen Lebens, einschließlich des Gesellschaftlichen Zusammenhalts, beeinträchtigt hat. Die Tatsache, dass der Index seit 2023 gestiegen ist, bedeutet nicht unbedingt, dass der längerfristige Rückgang umgekehrt wurde."

Diese These wird durch die ungleichmäßige Erholung über die verschiedenen Indikatoren des Gesellschaftlichen Zusammenhalts hinweg gestützt. Während sich die Werte in den Bereichen soziale Beziehungen und Gemeinwohlorientierung verbessert haben, stagnierten die Werte im Bereich Verbundenheit mit dem Gemeinwesen bei 44 Punkten, wobei die Einzelwerte für das Vertrauen in Institutionen und das Gerechtigkeitsempfinden bei gefährlich niedrigen 37 bzw. 25 Punkten liegen.

Prof. Boehnke vermutet, dass diese gegenläufigen Trends nicht völlig zufällig zustande kommen, sondern stattdessen auf eine Verschiebung hin zu einer stärkeren Abhängigkeit von persönlichen Beziehungen in einer Zeit hindeuten könnten, in der das Vertrauen in öffentliche Institutionen besonders schwach ist: „Wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie ihrer Regierung und anderen gesellschaftlichen Institutionen nicht vertrauen oder sich nicht auf sie verlassen können, wenden sie sich möglicherweise stattdessen an ihre Nachbar*innen, Kolleg*innen und Freund*innen, um Sicherheit zu suchen und anzubieten".

Religion als sozialer Kitt

Die Studie untersuchte insbesondere die Beziehung zwischen Religion und Gesellschaftlichem Zusammenhalt und stellte fest, dass „insgesamt Religiosität eine positive und... relevante Rolle für den Gesellschaftlichen Zusammenhalt spielt". Im Durchschnitt erlebten Befragte mit mittelhoher Religiosität einen stärkeren Gesellschaftlichen Zusammenhalt als Menschen, die angaben, weniger oder gar nicht religiös zu sein. Dies deutet darauf hin, dass religiöse Gemeinschaften möglicherweise weiterhin eine wichtige Rolle bei der Förderung sozialer Beziehungen, gegenseitiger Unterstützungssysteme und des freiwilligen Engagements für das Gemeinwesen spielen.

Dieses Ergebnis spiegelt jedoch nicht einheitlich die Befunde über alle religiösen Gruppen hinweg wider. Unter muslimischen Befragten ging ein höheres Maß an Religiosität zwar mit stärkeren sozialen Beziehungen sowie einer stärkeren Gemeinwohlorientierung einher, war jedoch gleichzeitig mit geringerem Vertrauen in öffentliche Institutionen und einer weniger ausgeprägten Identifikation mit dem Gemeinwesen korreliert. Während der Bericht keine definitiven Schlussfolgerungen formuliert, weist er auf eine Reihe möglicher Erklärungen hin, darunter muslimische Erfahrungen von Diskriminierung und Marginalisierung sowie Selbstabschottung innerhalb religiöser oder kultureller Gemeinschaften, die zu verminderter Integration in die breitere deutsche Gesellschaft führt.

Prof. Boehnke sieht die Ergebnisse als Gelegenheit für alle Deutschen, ihre Annahmen über die Erfahrungen von Minderheiten zu hinterfragen und eine inklusive und unterstützende Gesellschaft zu fördern, in der alle willkommen sind: „Die Ergebnisse sollten diejenigen von uns in der Mehrheitsgesellschaft dazu ermutigen, darüber nachzudenken, ob allen Gemeinschaften gleiche Chancen gegeben werden, sich anerkannt, repräsentiert und verbunden zu fühlen. Ausgrenzung und Marginalisierung schwächen den Gesellschaftlichen Zusammenhalt, unabhängig davon, welche Gruppe sie erfährt. Die Gleichbehandlung religiöser und nichtreligiöser Gruppen ist daher von zentraler Bedeutung."

Das Potenzial religiöser Gemeinschaften liegt laut Boehnke darin, ihre Rolle als Akteur*innen des Gesellschaftlichen Zusammenhalts zu nutzen, indem sie Verbindungen aufbauen, die soziale und kulturelle Grenzen überspannen. „Was unsere Gesellschaft braucht, ist brückenbildendes Sozialkapital: Beziehungen, die Menschen über Unterschiede hinweg verbinden", sagt er. „In der modernen Gesellschaft glaube ich, dass religiöse Gemeinschaften dazu beitragen können, indem sie ihre Aktivitäten für Menschen aus allen Lebensbereichen offenhalten. Dies könnte die Grundlage für mehr Gesellschaftlichen Zusammenhalt schaffen, der auf einem inklusiven Ansatz zur gegenseitigen Unterstützung basiert."

Das soziale Gefüge kitten

Auf Grundlage der aktuellen Ergebnisse formuliert der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung drei Prioritätsbereiche zur Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Um das schwindende Vertrauen in staatliche Institutionen anzugehen, empfiehlt er konzertierte Bemühungen zur Stärkung der Bürgerbeteiligung und zur größeren Transparenz des politischen Handelns. Mit Verweis auf die wachsende Bedeutung sozialer Beziehungen bzw. der Gemeinwohlorientierung wird die Investition in soziale Räume gefordert, in denen Menschen aus unterschiedlichen Lebenszusammenhängen sich engagieren können. Schließlich befürwortet der Bericht Maßnahmen zur Verbesserung der strukturellen und symbolischen Anerkennung religiöser Vielfalt sowie zur größeren Repräsentation religiöser Minderheitengruppen in der Zivilgesellschaft.

„Anstatt anzunehmen, dass sich der Gesellschaftliche Zusammenhalt einfach mit der Zeit erholen wird, müssen wir in Fairness und Vertrauen in die Regierung investieren", sagt Prof. Boehnke. „Das bedeutet, Transparenz zu erhöhen und soziale Ungleichheit anzugehen."

Professor Klaus Boehnke ist an der School of Business, Social & Decision Sciences der Constructor University tätig, die Forschung und Lehre in Psychologie, Geistes- und Sozialwissenschaften, Logistik sowie Betriebs- und Volkswirtschaft vereint. Besuchen Sie die Website der School, um mehr über ihre Forschung und ihre Studienprogramme zu erfahren. 

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