Passt Ihre Stadt zu Ihrem Beziehungsstatus? Neue Studie deckt die versteckten Kosten des Stadtlebens auf

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Dr. Mariana Macedo calls for a new era for city planning.
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Dr. Mariana Macedo calls for a new era for city planning. (source: Constructor University)

Kinder, Ehe und Pendelstrecke: Eine bahnbrechende Studie unter Co-Autorenschaft von Dr. Mariana Macedo von der Constructor University liefert neue Erkenntnisse darüber, wie einschneidende Lebensveränderungen die Art und Weise verändern, wie Menschen sich in städtischen Räumen bewegen und diese erleben. Die im renommierten Fachjournal npj Complexity veröffentlichte Forschungsarbeit stellt traditionelle Stadtplanungsmodelle infrage, die auf dem Profil eines „Durchschnittsbürgers“ basieren, und plädiert stattdessen für eine demografiegerechte Stadtgestaltung.

Die Studie mit dem Titel „The parenthood effect in urban mobility“ analysierte umfangreiche US-Zensusdaten des American Community Survey in Kombination mit geografischen Daten von OpenStreetMap. Dr. Macedo, Assistant Professor an der School of Computer Science and Engineering der Constructor University, untersuchte gemeinsam mit Prof. Dr. Menezes (University of Exeter, Federal University of Ceará) und Dr. Cardillo (University of Barcelona, University of Zaragoza), wie Haushaltsstrukturen die Pendelkosten und den Zugang zu lebenswichtigen städtischen Ressourcen beeinflussen.

Eine neue Ära für die Stadtplanung

Für Stadtplaner*innen und Kommunalpolitiker*innen, die moderne Städte gestalten, enthält die Forschungsarbeit eine dringende Botschaft: Die jahrhundertalte Praxis, Städte auf Basis eines fiktiven „Durchschnittsbürgers“ zu entwerfen, muss enden. Die Individuen, die eine Gesellschaft bilden, haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse sowie Wünsche und können in einem präzisen Modell nicht als identische Datenpunkte behandelt werden. Obwohl das klassische „Henne-Ei-Dilemma“ bestehen bleibt – ob Städte von Natur aus so strukturiert sind, dass sie Familien entgegenkommen, oder ob sich Familien lediglich an die Gegebenheiten ihrer Stadt anpassen –, belegen die empirischen Daten eindeutig, dass sich Mobilitätsmuster je nach Haushaltsform signifikant unterscheiden.

„Unsere Arbeit ist vor allem ein Appell an Planende, sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen zu orientieren“, erklärt Dr. Macedo. „Sie müssen unterschiedliche demografische Verhaltensweisen bewusst berücksichtigen, um gerechtere und funktionalere Städte zu bauen.“

Mobilität im Alltag: Erkenntnisse für Familien und Paare

Für Familien, die einen berufsbedingten Umzug erwägen, oder Paare, die ihr erstes Kind erwarten, hebt die Studie entscheidende Faktoren hervor, um die Eignung einer Stadt für den eigenen Lebensstil zu beurteilen – weit über die bloße Nähe zum Arbeitsplatz hinaus:

  • Der Kompromiss bei den Mobilitätskosten: Eltern priorisieren routinemäßig das Wohnen in der Nähe wichtiger Einrichtungen wie Schulen und der Gesundheitsversorgung, selbst wenn dies einen längeren Arbeitsweg bedeutet. Dies ist ein Kompromiss, den Familien bewusst in Erwägung ziehen müssen.
  • Stadtspezifische „Familienfreundlichkeit“: Städte besitzen ausgeprägte strukturelle Persönlichkeiten. New York und Chicago schneiden bei den Kriterien der Studie für Eltern tendenziell besser ab, während Houston und Virginia Beach für Singles sehr vorteilhaft sind.
  • Verteilung von Freizeiteinrichtungen und Nahversorgung: Familien sollten prüfen, ob eine Stadt ihnen den Zugang zu Freizeit- und Lebensmittelangeboten sowohl in der Nähe des Arbeitsplatzes als auch des Wohnortes ermöglicht. Diese spezifischen Angebote sind räumlich oft stark konzentriert, während Gesundheits- oder Bildungseinrichtungen meist weitflächig verteilt sind.

Urbane Gestaltung für alle

Im Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen ist das oberste Ideal eine inklusive Urbanisierung, die für alle Menschen gleichermaßen funktioniert. Die Daten zeigen jedoch, dass Städte von Natur aus spezialisierte Profile entwickeln: So bieten beispielsweise Cincinnati und Chicago gute Bedingungen für Eltern, während Charlotte und Atlanta eher auf Ehepaare ausgerichtet sind.

„Es ist wichtig zu verstehen, dass eine familienfreundliche Stadt dennoch ein hervorragender Wohnort für Singles sein kann“, so Dr. Macedo. „Die Infrastruktur für Eltern auszubauen bedeutet, die Fußgängerfreundlichkeit von Vierteln zu erhöhen, die Verkehrssicherheit zu verbessern und Parks zu erweitern. Diese gezielten strukturellen Eingriffe werten das gesamte urbane Ökosystem auf. Sie machen die Stadt sicherer, lebendiger und für jeden Bewohner hochgradig zugänglich – unabhängig vom Haushaltsstatus.“

Blick nach Europa

Während sich diese erste Studie auf amerikanische Städte konzentrierte, möchte das Forschungsteam der Constructor University diesen Ansatz weltweit ausweiten. Das größte Hindernis für die Erfassung internationaler Unterschiede ist derzeit die Datenzugänglichkeit, die in den verschiedenen Ländern und Regionen nach wie vor stark variiert.

Die Ausweitung der Forschung auf europäische und deutsche Städte verspricht faszinierende Vergleiche. Europäische Stadtzentren zeichnen sich oft durch dichte, historische Strukturen, eine stärkere Nutzung des multimodalen öffentlichen Nahverkehrs und dezentrale Quartiersangebote aus. Diese Faktoren könnten die drastischen Kompromisse bei den Mobilitätskosten verändern, die in den auto-zentrierten amerikanischen Metropolregionen beobachtet wurden.

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