25 Jahre Constructor University: Arka Halder – Der Ingenieur
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Constructor University stellen wir Alumni aus jedem Abschlussjahrgang vor, um die Vielfalt, Werte und Wirkung zu zeigen, die Constructor-Absolvent*innen in die Welt getragen haben. Hier finden Sie die vorherigen Artikel:
- 2004: Aakash Jain
- 2005: Neil D’Souza.
- 2006: Joanna Bagniewska
- 2007: Binyam Mogessie
Diese Woche springen wir mit Arka Halder voraus zum Abschlussjahrgang 2017. Arka ist heute Ingenieur für RF-Bauelementecharakterisierung und -modellierung bei NXP Semiconductors, dessen akademischer Hintergrund in der Elektroniktechnik seine Leidenschaft antreibt, zu technologischen Innovationen beizutragen.
Über Mich:
- Abschlussjahr: 2017
- Studiengang: Communications, Systems and Electronics
- College: Habe außerhalb vom Camus gewohnt, aber wenn ich wählen müsste: C3
- Größte Umstellung beim Umzug nach Deutschland: Brötchen essen wurde zum Zahntraining; Brot im Allgemeinen war deutlich härter als ich es gewohnt war
- Der Kurs von dem ich immer noch Albträume habe: Antennas and Propagation
- Samstagabends habe ich meistens: Für Antennas and Propagation gelernt natürlich!
- Was mir an Bremen am meisten fehlt: Meine Gastfamilie!
Arka Halder wagte einen Sprung ins kalte Wasser, als er beschloss, seine Koffer zu packen, in ein neues Land zu ziehen und zu lernen, Studium und Forschung parallel zu meistern. Heute arbeitet er als Ingenieur für RF-Bauelementecharakterisierung und -modellierung bei NXP Semiconductors an der technologischen Spitze der Halbleiterindustrie. Dort testet er essenzielle elektronische Komponenten unter extremen Temperaturen, um sicherzustellen, dass sie in modernen Fahrzeugen, der Luft- und Raumfahrt sowie in zukünftigen Quantencomputern zuverlässig funktionieren.
Er durchlief eine bemerkenswerte Entwicklung, die durch seine Anpassungsfähigkeit und sein Engagement für lebenslanges Lernen ermöglicht wurde. Dies legte den Grundstein für ihn, um in einem internationalen Umfeld erfolgreich zu sein und eine Karriere aufzubauen, die sich bereits über fünf verschiedene Länder erstreckt. Auf diesem Weg promovierte Arka in Elektro- und Informationstechnik, meisterte die praktischen Komplexitäten der industriellen Fertigung und vertrat eine Führungsphilosophie, die auf Bescheidenheit, Herz und Empathie setzt.
Wir haben uns mit Arka zusammengesetzt, um über die Bedeutung interkultureller Kompetenz zu sprechen, über die rasanten soziopolitischen Veränderungen, die die Halbleiterbranche neu formen, und darüber, wie eine global ausgerichtete Universität wie die Constructor University als starkes Gegenmittel für eine gespaltene Welt dienen kann.
Entscheidungsfindung ist ein zentrales Thema unserer 25-Jahr-Feier. Gibt es eine bestimmte Entscheidung, die den größten Einfluss auf dein Leben hatte, oder gibt es etwas, das du rückblickend anders machen würdest?
Die Entscheidung mit den größten Auswirkungen auf mein Leben und meine Karriere war der Entschluss, meine Koffer zu packen, in ein neues Land zu ziehen und zu lernen, Studium und Forschung parallel zu meistern. Mich an eine völlig neue Umgebung, das Wetter, die Kultur, die Sprache und die Menschen anzupassen, hat mich ungemein geprägt. Es hat den Grundstein für meine Fähigkeit, in einem internationalen Umfeld erfolgreich zu sein gelegt, und hat es mir ermöglicht, eine Karriere aufzubauen, in der ich mittlerweile in fünf verschiedenen Ländern studiert und gearbeitet habe.
Wenn ich jedoch eine Sache anders machen könnte, würde ich meinem jüngeren Ich raten, selbstbewusster zu sein und nicht zu zögern, um Hilfe zu bitten. Wenn man sich in einer komplett neuen Umgebung befindet, muss man nicht alles alleine herausfinden.
Wenn du einen Aspekt deiner Erfahrung an der Constructor University wählen müsstest, der seitdem den positivsten Einfluss auf deine Karriere und/oder dein Leben hatte – welcher wäre das und warum?
Wenn ich es auf eine einzige Sache reduzieren müsste, dann wäre es die unschätzbare Erfahrung, mit Menschen aus über 100 verschiedenen Nationen zusammenzuarbeiten. In einer so vielfältigen Studierendenschaft zu sein, hat mich gelehrt, wirklich unvoreingenommen zu sein, aktiv andere Standpunkte einzubeziehen und Kulturen zu verstehen und zu schätzen, die sich von meiner eigenen unterscheiden. Diese praktische interkulturelle Kompetenz war die nützlichste Fähigkeit überhaupt, sowohl in meinem beruflichen als auch in meinem persönlichen Leben.
Ihre heutige Arbeit umfasst das Testen von Halbleiterkomponenten bei extremen Temperaturen, von kryogenen (4,2 K) bis hin zu starker Hitze (175 °C). Kannst du uns Laien erklären, warum das so wichtig ist? Welche realen Anwendungen erfordern es, dass diese Technologie unter solch extremen Bedingungen zuverlässig funktioniert?
Die Temperatur verändert das Verhalten elektronischer Geräte grundlegend. Deshalb müssen wir sie testen, um sicherzustellen, dass sie nicht versagen, wenn es zu heiß oder zu kalt wird. Das ist lebenswichtig für moderne Autos, in denen Chips direkt neben glühend heißen Motoren laufen, sowie für Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt, die extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Am anderen Ende der Skala arbeiten die hochentwickelten Chips, die zukünftige Quantencomputer antreiben, bei kryogenen Temperaturen. Das Testen in diesen extremen Bereichen ist der einzige Weg, um sicherzustellen, dass die Technologie, auf die wir uns verlassen, sicher und zuverlässig bleibt.
In den letzten Jahren stand die Halbleiterindustrie im oder nahe dem Epizentrum einer Reihe von globalen Spannungen. Wie fühlt es sich für dich an, im Mittelpunkt dieser größeren soziopolitischen Dynamiken zu stehen? Hat dies deine Sicht auf deine Arbeit, deine Herangehensweise oder die Rolle deiner Branche bei der Reaktion auf diese Trends beeinflusst?
Gerade jetzt in der Halbleiterindustrie zu sein bedeutet, am Scheideweg des globalen Wandels zu stehen. Ob es nun geopolitische Verschiebungen sind, die die Lieferketten verändern, oder der atemberaubende Aufstieg der KI, der den Bedarf an Rechenleistung antreibt – die Landschaft bewegt sich unglaublich schnell. Für mich hat die Tatsache, im Zentrum dieser Dynamiken zu stehen, verdeutlicht, dass Anpassungsfähigkeit das Gebot der Stunde ist. Dieses Umfeld hat meine tägliche Herangehensweise an die Arbeit komplett geprägt; es zwingt mich dazu, mich ständig weiterzubilden, globale Veränderungen aufmerksam zu verfolgen und agil zu bleiben. Um in dieser Branche zu überleben und erfolgreich zu sein, muss man lebenslanges Lernen als festen Bestandteil der eigenen beruflichen Identität begreifen.
In einem kürzlichen LinkedIn-Beitrag hast du einen Rat geteilt, den du erhalten hast: „Titel müssen mit Herz und Empathie verbunden werden, nicht um sich selbst zu verherrlichen.“ Warum spricht dich diese Aussage persönlich so an? Wie kann man diesen Rat in einem gesellschaftlichen Klima vorleben, das sich zunehmend gespalten anfühlt?
Der Rat, Titel mit Herz und Empathie, statt mit Selbstverherrlichung zu verbinden, berührt mich tief, weil ich glaube, dass Demut der Schlüssel zu echtem Fortschritt ist. Ein Titel mag einem Autorität verleihen, aber Empathie schenkt einem Einfluss und echte Verbindungen. Es gibt immer noch so viel mehr zu lernen, und kein einzelner Mensch hat alle Antworten. Im heutigen gespaltenen und zerstrittenen gesellschaftlichen Klima können wir diesen Rat vorleben, indem wir uns schlichtweg dafür entscheiden, zuzuhören, bevor wir urteilen. Wenn man mit Demut führt, schafft man einen Raum, in dem sich Menschen sicher fühlen, um Ideen auszutauschen und zusammenzuarbeiten.
Wie würdest du, als jemand mit einer Promotion in Elektro- und Informationstechnik, der in einer sehr spezialisierten Funktion in der Privatwirtschaft arbeitet, die Unterschiede zwischen Innovationen in einem Unternehmensumfeld und einem akademischen Forschungsumfeld beschreiben? Welchen Rat würdest du Studierenden geben, die sich für Karrieren interessieren, in denen sie sowohl zu Spitzenforschung als auch zu realen Anwendungen beitragen können?
Die akademische Forschung ist fantastisch für ergebnisoffenes Denken. Sie ermöglicht es einem, Konzepte zu beweisen, Grundlagenforschung zu betreiben und hochinnovative theoretische Lösungen zu entwerfen. Die Industrie hingegen ist der Ort, an dem man mit der Kluft zwischen Erwartung und Realität konfrontiert wird. Sie führt einen an die praktische Seite der Technologie heran: das Verständnis der tatsächlichen Kosten für die Umsetzung einer Idee, das Manövrieren durch Lieferketten und das Lösen der komplexen Fertigungsherausforderungen, die erforderlich sind, um konsistent qualitativ hochwertige Lösungen zu liefern. Mein Rat an Studierende wäre, immer groß zu träumen, aber gleichzeitig praktisch zu denken.
Wenn du an die heutigen globalen Herausforderungen denkst und auf die nächsten 25 Jahre blickst: Welche Art von bleibendem Erbe oder Einfluss wird oder sollte eine Universität wie Constructor University deiner Meinung nach auf die Welt haben?
In einer Welt, die sich oft zunehmend gespalten anfühlt, ist das größte Erbe von Constructor die Fähigkeit zu beweisen, dass wir uns viel ähnlicher sind, als dass wir uns unterscheiden. Während die Mainstream-Medien oft das Negative und Trennende hervorheben, steht unsere Universität als ein lebendiges, bleibendes Beispiel dafür, wie Freundschaften und sogar Familie (an dieser Stelle ein großes Dankeschön an das Gastfamilien-Programm) mühelos Grenzen überschreiten können. Mit Blick auf die nächsten 25 Jahre sollte der Einfluss von Constructor darin bestehen, weiterhin Weltbürger hervorzubringen, die mit Empathie führen. Indem sie junge Köpfe aus allen Ecken der Erde zusammenbringt, wirkt die Universität als starkes Gegenmittel gegen Spaltung und beweist, dass globale Herausforderungen am besten gelöst werden, wenn wir kulturübergreifend zusammenarbeiten.
Wunderbar gesagt. Vielen Dank für deine Zeit, Arka!
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