100.000 Dollar für ein studentisches Startup: Exoheal will helfen, Handlähmungen zu heilen

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Der erste Platz beim Microsoft Imagine Cup 2022 hat Zain A. Samdani und Ramin Udash, beide Studierende an der Jacobs University, neben 100.000 Dollar Siegprämie auch viel Anerkennung eingebracht. (Quelle: V-Bionic/Jacobs University)


 

Medienberichte weltweit,Anfragen von Mediziner:innen, Investor:innen und Betroffenen, die mehr über ihr Projekt erfahren wollten: Der erste Platz beim Microsoft Imagine Cup 2022 hat Zain A. Samdani und Ramin Udash, beide Studierende an der Jacobs University, neben 100.000 Dollar Siegprämie auch viel Anerkennung eingebracht.

„Der Gewinn des Weltfinales hat uns sehr geholfen, unser Anliegen zu verbreiten. Darüber sind wir sehr glücklich“, sagt Zain. Der 22-Jährige wurde inzwischen mit einem weiteren Preis ausgezeichnet – dem „Diana Award 2022“. Benannt nach der 1997 verstorbenen Princess of Wales ehrt er weltweit junge Menschen für ihre humanitäre Arbeit.

Ihr Anliegen, das ist die Entwicklung einer zugänglichen, kostengünstigen und wirksamen Methode zur Behandlung von Handlähmungen mithilfe eines Exoskeletts, einer robotergesteuerten Stützstruktur. Die Idee entwickelte Zain als er im Alter von 16 Jahren erstmals einen entfernten Onkel traf, der nach einem Schlaganfall teilweise gelähmt war und mit seiner Hand kaum einen Löffel halten konnte. „Ich fand es unfair, dass er nicht die Behandlung bekam, die er verdiente“, erinnert sich Zain. „Viele Menschen sind von Lähmungen betroffen. Zwar gibt es technisch fortgeschrittene Behandlungsmethoden, aber die sind für die meisten viel zu teuer.“

Zain, der in Hyderabad in Indien aufwuchs und sich schon seit seiner Kindheit mit Robotik beschäftigt, begann zu recherchieren. Er sprach mit Neurolog:innen und anderen Expert:innen und startete die Initiative „ExoHeal“. Erste Versuche mit der Stützstruktur erwiesen sich bald als erfolgreich. Dabei spiegelt der Roboterhandschuh die Bewegungen der gesunden Hand wieder, jeder einzelne Finger kann trainiert werden. Bei etwa jeder:m dritten Nutzer:in beschleunigte sich in ersten Versuchen der Genesungsprozess erheblich.

An der Jacobs University, an der er im zweiten Jahr Robotics and Intelligent Systems studiert, traf Zain auf Ramin. Der 19-Jährige aus Nepal studiert Computer Science, er verstärkt das von Zain gegründete Startup „V-Bionic“, und kümmert sich vor allem um App-Entwicklung. Die App überwacht das vom Arzt oder der Ärztin festgelegte Bewegungstraining für die Hand, schlägt Übungen vor, die auf den Mustern der Benutzer:innen beruhen, und dient als Kommunikationsmittel zwischen Arzt oder Ärztin und Patient:in.

Als sich das Team um den Microsoft Cup bewarb, ging es ihnen gar nicht darum zu gewinnen. „Das war nicht unsere Motivation,“ erzählt Ramin. „Wir wollen mit ExoHeal etwas bewirken, das vielen nützt. Der Wettbewerb war eher Mittel zum Zweck, er sollte uns dabei helfen.“

Das hat er. Nicht nur ihr Bekanntheitsgrad hat sich gesteigert. Jetzt hat V-Bionic 100.000 Dollar auf dem Konto, eine Gutschrift in Höhe von 50.000 Dollar für die Nutzung der Microsoft Cloud-Plattform Azure und im November eine Verabredung mit einer einflussreichen Mentorin: Microsoft CEO Satya Nadella. Das Geld kommt natürlich vollständig dem Startup zu Gute. Der Prototyp soll jetzt zur Produktionsreife weiterentwickelt und die App optimiert werden. Sie investieren in Verfahren des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz zur Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten. Und sie wollen ihr internationales Team aus sechs Mitgliedern erweitern und suchen nach Partner:innen aus den Bereichen Robotik, Grafik und maschinellem Lernen.

Wie das alles zusammenpasst mit dem Studium? Ganz gut, meint Zain. Die Wochenenden habe er sich für V-Bionic reserviert, ebenso die Abende. Ramin handhabt das ähnlich. Wochentags kümmern sie sich um ihr Studium, das für die Umsetzung von ExoHeal durchaus hilfreich ist. „Was wir in der Theorie lernen, können wir mit ExoHeal praktisch umsetzen“, sagt Ramin.

Dass die beiden sich erst einige Tausend Kilometer von ihren Heimatländern entfernt an der Jacobs University kennenlernten, darf wohl als glücklicher Zufall bezeichnet werden. Oder war es gar kein Zufall? „Wir sind nicht allein wegen der hohen Standards im Studium an die Jacobs University gekommen“, erzählt Zain. „Sondern auch aufgrund der Internationalität und Diversität der Gemeinschaft. Sie macht eine Zusammenarbeit wie zwischen uns erst möglich.“