Der Mix macht’s

,  07. April 2016 Von der Kraft der Vielfalt ist Dr. Julia Bendul, Professorin für Netzwerkoptimierung in der Produktion und der Logistik, überzeugt. An der Jacobs University in Bremen bündelt sie das Wissen von Fachexperten in transdisziplinären Teams. Sie überträgt Methoden aus anderen Fachgebieten auf die Logistik, ihre Studierenden stammen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen. Die Diversität hilft bei der Erfassung von Problemen – und deren Lösung.     Wenn Julia Bendul an ihr eigenes Studium zurückdenkt, dann fällt ihr vor allem eines ein: „Wir waren alle von einem Schlag.“ Die 33-jährige gebürtige Verdenerin hat an der Universität Bremen Wirtschaftsingenieurswesen studiert. Sie war von Maschinenbauern und Betriebswirten umgeben, die alle irgendwie ähnlich tickten. Heute sitzen in den Vorlesungen und Arbeitsgruppen der Professorin junge Menschen unter anderem aus China, den USA, Rumänien, Indien, Kolumbien oder Deutschland. Darunter sind angehende Biologen, Informatiker, Elektroingenieure und Wirtschaftsingenieure. Sie gibt einen Kurs gemeinsam mit einem Professor für Bioinformatik und natürlich ist auch ihre Forschung fächerübergreifend ausgelegt. „Diese Diversität, diese Vielfalt – das finde ich ganz toll.“ Dass komplexe Probleme nicht nur aus einem Blickwinkel betrachtet werden sollten, dass man gemeinsam mehr erreichen kann; diese Erkenntnis vermittelt sie ihren Studierenden von Anfang an. Wenn in einer Gruppenarbeit die Logistikkette von Enzymen für die Bioproduktion analysiert wird, tüfteln daran nicht nur Logistiker, sondern auch Biologen. In ihrer sechs Mitarbeiter starken Arbeitsgruppe Produktions- und Logistiknetzwerke an der Jacobs University sind Betriebswirte, Maschinenbauer, Statistiker, Informatiker und Logistiker versammelt. „Jeder hat seine Stärken und Schwächen“, sagt sie. „Das Faszinierende ist die Kombination und zu sehen, wie gemeinsam Lösungen entstehen.“  Die Transdisziplinarität setzt sich auch in ihrer Forschung fort, etwa, wenn es um die Digitalisierung und das Thema „Industrie 4.0“ geht. Daran sind auch Psychologen beteiligt, denn sie ist davon überzeugt, dass die Menschen bei technischen Innovationen unbedingt einbezogen werden müssen. „Je mehr Entscheidungen durch IT-Systeme getroffen werden, desto mehr entstehen Sorgen. Diese reichen von Arbeitsplatzverlust über die Entdeckung von Fehlern bis hin zur Angst vor der Herrschaft von Maschinen.“ Seit 2013, nach Stationen an der Universität St. Gallen und als Business Consultant bei Porsche Consulting, lehrt und forscht Julia Bendul an der Jacobs University. Sie ist eine von ganz wenigen Frauen in der Männerdomäne Logistik, ein Fach, das viel mit Mathematik, Physik oder Maschinenbau zu tun hat. Schade sei das, meint sie, stellt aber auch eine Trendwende fest: „Ich finde es großartig, dass die Hälfte unserer Studierenden im Programm Wirtschaftsingenieurswesen weiblich ist." An der Jacobs University kennt sie jeden ihrer Studierenden. Sie trifft sie mehrfach in der Woche, man tauscht sich aus, auch über private Dinge. Die Studierenden leben auf dem Campus. Sie verbringen ihre Freizeit miteinander, spielen in einem der zahlreichen Clubs Fußball, Theater, sind im Ruderteam oder singen im Chor. „Das ist einzigartig in Deutschland“, schwärmt Julia Bendul. In ihrer Arbeit setzt sie nicht nur auf Transdisziplinarität, sondern sie überträgt auch Methoden aus anderen Fachgebieten auf die Logistik. So helfen Erkenntnisse über Stoffwechselprozesse aus der Biologie dabei, Vorhersagen über die Risikoanfälligkeit von Maschinen zu treffen. Ein Verfahren aus der Physik über Synchronisation ermöglicht es, die Liefertreue eines Unternehmens besser einzuschätzen. „Wir befassen uns immer mit echten Problemstellungen. Wir erforschen nie etwas, das man nicht braucht – auch wenn das erst in  einigen Jahren ist.“ Diese Lösungsorientierung schätzen auch ihre Studierenden, für die ein sechsmonatiges Praktikum Pflicht ist. Oft werden auch die Abschlussarbeiten in Kooperation mit Unternehmen geschrieben. „Wenn ich sie zu Beginn des Studiums frage, wo sie einmal arbeiten wollen,  nennen sie meist einen der großen Namen der Branche“, sagt Julia Bendul. Das ändert sich im Laufe der Zeit. Bendul bringt sie verstärkt mit Mittelständlern zusammen. „Von den Möglichkeiten, die sie dort haben, sind sie oft ganz begeistert.“ Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen könnten ihre internationalen Studierenden besonders wertvoll sein, glaubt sie, etwa, wenn es um die Erschließung neuer Märkte geht.  Um Lösungen entwickeln zu können, müsse das Bildungssystem auf technologische Innovationen reagieren, findet Julia Bendul. Vor gut zwei Jahrzehnten sei so der Beruf des Mechatronikers entstanden, der Mechanik und Elektronik mit einander verbindet. Für die Gestaltung und Steuerung der digitalen Revolution müssten weitere Fächergrenzen überwunden werden, indem etwa Informatiker und Psychologen verstärkt einbezogen werden. Die Jacobs University, findet Prof. Julia Bendul, sei da auf einem sehr guten Weg.  Weitere Informationen unter:http://pln-workgroup.user.jacobs-university.dehttp://www.jacobs-university.de/scemhttp://www.jacobs-university.de/iem Fragen beantwortet: Prof. Dr. Julia Bendul | Professor für Netzwerkoptimierung in Produktion and Logistik j.bendul [at] jacobs-university.de | Tel: +49 421 200-3194