Professoren im Profil: Biophysiker Prof. Dr. Richard Wagner

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  04. Februar 2016 „Wisdom“ bedeutet Weisheit. Dass er weiser sei als seine jüngeren Kollegen, auf diese Ideewürde Prof. Dr. Richard Wagner nie kommen. Mit der Wisdom Professur setzt die Jacobs University ein Instrument ein, das an angloamerikanischen Universitäten üblich ist. Es nutzt das Wissen erfahrener Hochschullehrer im Rentenalter, die ihre in Jahrzehnten angesammelten Kenntnisse an junge Menschen weitergeben. Auf eine rund 40-jährige Karriere blickt Prof. Dr. Richard Wagner zurück. An der Jacobs University unterrichtet er seit Herbst vergangenen Jahres Studierende aus aller Welt in Biophysik sowie Elektrochemie. „Der Kontakt zu ihnen ist sehr eng. Er ist auch sehr viel anregender und belebender als ich das von staatlichen Universitäten gewohnt bin, weil sie aus allen Herren Ländern stammen“, sagt Wagner, der von der Universität Osnabrück nach Bremen kam. Zudem forscht er an einer der größten aktuellen Gesundheitsbedrohungen: der Resistenz vieler bakterieller Krankheitserreger gegen Antibiotika. Wagner ist beteiligt an einem EU-Forschungsprojekt, das sich zum Ziel setzt, neue Medikamente zu entwickeln. Geleitet wird es von seinem Kollegen Prof. Dr. Mathias Winterhalter, der ein internationales, interdisziplinäres Team von 25 Partnern aus Wissenschaft und Industrie koordiniert. Wagners besonderes Interesse gilt den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ von allen Zellen, die einen Zellkern besitzen (Eukaryonten-Zellen). Sie sind verantwortlich für ihre Energieversorgung und für viele Stoffwechselvorgänge. Mitochondriale Defekte sind Ursache für eine Vielzahl von degenerativen Erkrankungen beim Altern und in Verbindung mit Krebs. Überalterte und fehlfunktionierende Zellen schicken sie in den programmierten Zelltod und halten so die Organe gesund. Funktionsstörungen in den Mitochondrien führen unter anderem zu Erkrankungen wie Allergien, Herzproblemen oder auch Rheuma und zu neurologischen Degenerationen (Alzheimer). Der Wissenschaftler ist auch Inhaber von zwei Patenten, bei denen es um die Herstellung von künstlichen Membranen geht, sogenannten Modellmembranen, die komplexe Zellmembranen im vereinfachten Modell nachbilden können. 1972 nahm Wagner sein Chemiestudium an der Technischen Universität in Berlin auf. „Chemie ist die Grundlage für vieles. Das ganze Leben um einen herum hat mit Chemie zu tun“, begründet er sein Interesse an der Disziplin. Ungeheure Fortschritte habe es in den vergangenen Jahrzehnten in seinem Fachgebiet gegeben, insbesondere bei der Erforschung der Funktionsweise von Details, von Molekülen oder Atomen in biologischen Systemen. „Doch vom Kleinsten ausgehend wieder die großen Zusammenhänge zu verstehen – da ist noch viel Arbeit nötig.“ Wenig geändert habe sich über die Jahrzehnte an der Qualität der Studierenden. „Es gibt immer einige, die exzellent sind und dabei locker. Und viele, die fleißig lernen.“ Stark verändert hingegen hätten sich die Rahmenbedingungen des Studiums. „Die Studierenden sind eingepresst in ein enges Zeitkonzept. Sie bekommen Stundenpläne wie in der Schule und lernen oft nur für die Klausuren, ohne dass sie ausreichend die Fähigkeit entwickeln, ihr Wissen übertragen zu können.“ Früher, so Wagner, habe es mehr Freiräume gegeben und mehr Zeit für die Persönlichkeitsbildung. Eine Entwicklung übrigens, der die Jacobs University entgegenwirkt. Sie bietet ihren Studierenden wieder mehr Wahlfreiheit an. Kontakt:Kristina Logemann | Brand Management, Marketing & Communicationsk.logemann [at] jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4454