Ayshan Aliyeva: Studentin mit einer Leidenschaft für Biochemie und Literatur

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Über Wissenschaft und Literatur hat Ayshan Aliyeva in einer viel beachteten Rede an der Jacobs University gesprochen (Quelle: Frank Pusch)

 

20. Mai 2019

Roboter, die die Welt übernehmen, gefräßige Zombies, furchterregende Aliens? Nein, um diese Art von Science-Fiction geht es Ayshan Aliyeva nicht. „Es gibt viel zu wenig Texte über Dinge, die aus Sicht der Wissenschaft tatsächlich passieren könnten“, findet sie. An einem solchen Science-Fiction-Text schreibt die Studentin der Biochemie an der Jacobs University Bremen gerade. Darin geht es um die DNA und um die Fähigkeiten von Einzelnen, die Erbinformationen ihrer Nachkommen selbst bestimmen zu können. „Viele fürchten sich vor den Möglichkeiten der Wissenschaft“, sagt sie. „Indem ich realistische Szenarien beschreibe, hoffe ich, auch Ängste und Vorurteile abbauen zu können.“

Seitdem sie lesen kann, seit ihrem fünften Lebensjahr, schreibt die 19-jährige aus Aserbeidschan. Gedichte und Kurzgeschichten vor allem, jetzt zu lesen auch auf ihren Blog https://around-the-moon.webnode.com. Lässt das Studium es zu, schreibt sie fast täglich, am liebsten in Cafés. Schreiben sei eine tolle Möglichkeit, Emotionen auszudrücken, meint sie. Und: „Eine Welt zu kreieren und in ihr dann auch leben zu können, das fasziniert mich.“ Über diese Faszination tauscht sie sich auch mit anderen aus – im „Club der toten Dichter“, einem Treffen von literaturinteressierten Studierenden an der Jacobs University.

Schreiben ist eine ihrer Leidenschaften, eine andere ist die Biochemie. Ihre Mutter ist Mikrobiologin, als Kind hat sie sie immer mit ins Labor genommen. Die Apparaturen, die Geräte und Instrumente fand sie spannend – mehr aber noch, was man mit ihnen bewerkstelligen kann. „Für mich war es immer schwierig nur zu glauben. Ich wollte wissen, warum etwas ist wie es ist. Dafür ist die Wissenschaft der beste Weg.“ Insbesondere die Funktionsweise der menschlichen Zellen begeistert sie. „Sie sind der Schlüssel zum Verstehen des Lebens.“

Über Wissenschaft und Literatur, über Dinge, die scheinbar nicht zusammengehören und doch zusammenkommen, hat Ayshan Aliyeva in einer viel beachteten Rede anlässlich einer gemeinsamen Veranstaltung des Ostasiatischen Vereins, der Handelskammer Bremen und der Jacobs University gesprochen. Die Jacobs University hätte sie dabei inspiriert, sie sei das beste Beispiel für ungewöhnliche Kombinationen, meint sie. „Auf dem Campus treffen so viele Nationen, Kulturen, Meinungen und Religionen aufeinander – das funktioniert nicht nur, sondern man profitiert voneinander.“

Die Stipendiatin der Redemeister & Ulrichs Stiftung fühlt sich wohl in dem internationalen Umfeld, vielleicht auch deshalb, weil sie an einem Knotenpunkt der Kulturen zwischen Ost und West, zwischen Europa und Asien aufgewachsen ist. „Die meisten Leute kennen Aserbeidschan nicht. Wenn ich ihnen erzähle, dass es zwischen Russland, der Türkei und dem Iran liegt, sind sie irritiert, weil sie diese drei Länder nicht zusammenbringen.“  Mit drei Sprachen wuchs sie in der ehemaligen Sowjetrepublik auf, die sich zwischen dem Kaspischen Meer und dem Kaukasus erstreckt und die reich an Öl ist – Aserbeidschani, Russisch und Türkisch. Zudem spricht sie Deutsch, Englisch und ein wenig Französisch.

Auf Englisch schreibt sie auch. Ihre Sprachkenntnisse hat sie während eines Aufenthalts an der Wake Forest University im US-Bundesstaat North Carolina als Stipendiatin des Benjamin Franklin Transatlantic Relationship Programm verfeinert. Von dort bewarb sie sich gemeinsam mit einer Freundin an der Jacobs University – beide wurden angenommen. Sie für Biochemie, ihre Freundin für Physik.

Das war vor zwei Jahren. Ayshan war 17 Jahre damals, und fern von der Familie zu sein war nicht einfach. Doch sie hat sich schnell akklimatisiert, auch weil sie sich in verschiedenen Bereichen engagiert hat:  als Forschungsassistentin im Labor von Prof. Dr. Christian Hammann etwa. Oder als studentische Hilfskraft im International Office der Jacobs University.

Im kommenden Jahr wird Ayshan ihren Bachelor ablegen. Die Verhaltensgenetik ist eines der Themen, dass sie interessiert. Ebenso wie die Wirkung von Darmbakterien, ein relativ neuer Forschungszweig, der davon ausgeht, dass Krankheiten wie Diabetes oder Adipositas durch Mikroben im Darm verursacht werden. Stoff für eine Science-Fiction- Geschichte, kein Zweifel. Oder für einen Master mit anschließender Doktorarbeit. Was es werden wird, weiß sie noch nicht. Gut möglich, dass sie sich erstmal ein Jahr Zeit nimmt zum Schreiben.

 

Dieser Text ist Teil der Serie „Faces of Jacobs", in der die Jacobs University Studierende, Alumni, Professoren und Mitarbeiter vorstellt. Weitere Folgen sind unter www.jacobs-university.de/faces/de zu finden.

 

Über die Jacobs University Bremen:
In einer internationalen Gemeinschaft studieren. Sich für verantwortungsvolle Aufgaben in einer digitalisierten und globalisierten Gesellschaft qualifizieren. Über Fächer- und Ländergrenzen hinweg lernen, forschen und lehren. Mit innovativen Lösungen und Weiterbildungsprogrammen Menschen und Märkte stärken. Für all das steht die Jacobs University Bremen. 2001 als private, englischsprachige Campus-Universität gegründet, erzielt sie immer wieder Spitzenergebnisse in nationalen und internationalen Hochschulrankings. Ihre mehr als 1400 Studierenden stammen aus mehr als 100 Ländern, rund 80 Prozent sind für ihr Studium nach Deutschland gezogen. Forschungsprojekte der Jacobs University werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder aus dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union ebenso gefördert wie von global führenden Unternehmen.

Kontakt:
Melisa Berktas| Corporate Communications & Public Relations
m.berktas [at] jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4135