Globale Perspektive, lokaler Impact – Studierende der Constructor University präsentieren Community-Impact-Projekte
Von KI-gestütztem Sporttraining über kindersichere Wissenschaftsexperimente bis hin zu einem ferngesteuerten Robotiklabor: Die jährliche Community Impact Project (CIP)-Messe an der Constructor University zeigte eindrucksvoll, wie Studierende ihr akademisches Wissen nutzen, um einen konkreten Beitrag für die lokale Gemeinschaft in Bremen Nord und der umliegenden Region zu leisten. Als verpflichtender Bestandteil aller Bachelorstudiengänge an der Constructor University verbinden die CIPs Studierende mit regionalen Organisationen, um innovative und praxisnahe Projekte umzusetzen, die dem Gemeinwohl dienen.
„Das Ziel der CIPs basiert auf einem realen Bedarf“, erklärte Dr. Jakob Fruchtmann, Professor für Soziologie und Mitbegründer des CIP-Formats an der Constructor University. „Studierende können eine schöne Idee haben – aber wenn niemand sie braucht, ist es kein Projekt. Das Besondere daran ist: Sie lernen nicht für eine Prüfung, sondern lösen reale Probleme direkt hier in unserer Gemeinschaft.“ Jedes CIP entsteht in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern – von Non-Profit-Organisationen und NGOs über Schulen, Unternehmen und Start-ups bis hin zu Einzelpersonen. „Wir hatten bereits alle Formen von Partnerschaften“, so Fruchtmann. „Wichtig ist nur, dass die Partner von hier sind und einen Bedarf haben, bei dem wir helfen können.“
Seit dem Start der CIP-Initiative im Jahr 2020 haben über 1.200 Studierende an mehr als 50 Projekten teilgenommen und mit über 60 regionalen Partnern kooperiert. Fruchtmann sieht die Inspiration im nordamerikanischen Modell des „Service Learning“, das international zunehmend an Bedeutung gewinnt. „In unserem Kontext ist es ein Leuchtturmprojekt in Europa“, sagte er. „Wir verbinden drei einzigartige Elemente: eine Campus-Universität, die internationalste Studierendenschaft in Deutschland und eine verpflichtende Service-Learning-Komponente im Curriculum.“
Die diesjährige CIP-Messe fand am 11. Februar im Messeformat statt und präsentierte fast 20 aktive Projekte des aktuellen Studienjahres. Studierende berichteten an ihren Ständen aus erster Hand über Erfahrungen, Ergebnisse und Wirkungen ihrer Projekte. Jüngere Studierende konnten sich informieren und sich direkt für ein CIP ihrer Wahl anmelden.
Raus aus der Campus-Blase
Für die überwiegend internationale und kulturell vielfältige Studierendenschaft bietet die verpflichtende Teilnahme an einem CIP eine wertvolle Gelegenheit, die „Campus-Blase“ zu verlassen und interkulturelle Erfahrungen mit der lokalen Bevölkerung zu sammeln – während sie gleichzeitig ihr akademisches Wissen praktisch anwenden. Rund die Hälfte der Absolvent:innen bleibt nach dem Studium in Deutschland. Das CIP-Modell ermöglicht frühzeitig Einblicke in Sprache, Arbeitskultur und soziale Realitäten vor Ort.
Die Drittsemester-Studentin Teagan nahm am Projekt „Easy-Safe Experiments“ teil, bei dem Studierende lokale Kindergärten besuchen und kindgerechte, sichere Wissenschaftsexperimente durchführen. Von selbstgemachten Lavalampen bis zu einfachen chemischen Reaktionen sollen die Experimente früh Neugier und Begeisterung für Naturwissenschaften wecken.
„Die Arbeit mit kleinen Kindern hat uns gezwungen, komplexe Ideen einfach und spannend zu erklären – denn Forschung ist wertlos, wenn man sie nicht vermitteln kann“, sagte Teagan. „Da viele Kinder kein Englisch sprechen, war es auch eine der wenigen Gelegenheiten, wirklich mit der lokalen deutschen Gemeinschaft in Kontakt zu treten.“
Für Adea Shala, Studentin der Biochemie und Zellbiologie im Projekt „Leben in Bremen Nord“, bedeutete Community Engagement, Sprachbarrieren zu überwinden und sowohl Schulkinder als auch Senior:innen in Vegesack zu unterstützen. „Am Anfang waren wir nervös, weil viele kein Englisch sprachen“, erzählte sie. „Aber am Ende, mit halb Deutsch, halb Englisch, haben wir uns verstanden. Es ging weniger um Sprache und mehr um Verbindung.“
Ihr Team organisierte soziale Aktivitäten, Englischunterricht und kulturellen Austausch in Senioreneinrichtungen. „Uns war wichtig zu zeigen, dass wir Teil dieser Gemeinschaft sind“, ergänzte Shala. „Wir leben nicht nur auf dem Campus – wir wollen beitragen und präsent sein.“
Internationale Mission, lokale Wirkung
Die Initiative hat auch die Beziehung zwischen der Universität und ihrem Umfeld nachhaltig gestärkt. Seit der Gründung vor 25 Jahren wurde die international ausgerichtete Privatuniversität teilweise als elitär oder abgeschottet wahrgenommen. Die CIP-Projekte und regionalen Partnerschaften haben dieses Bild in den letzten sechs Jahren deutlich verändert.
Projekte wie „Robokids“ – eine Partnerschaft, die Bremer Schulkindern Fernzugang zum hochmodernen Robotiklabor der Universität ermöglicht – zeigen das Potenzial dieser Initiative, akademische Spitzenforschung mit lokalem Bedarf zu verbinden.
„Bremen ist eine kleine, eng vernetzte Stadt“, erklärte Fruchtmann. „Wenn man hier etwas bewegen will, muss man Teil dieser horizontalen Netzwerke sein – Schulen, NGOs, Unternehmer:innen, Sozialarbeiter:innen, politische Akteur*innen. Das CIP hat geholfen, diese Verbindungen sichtbar, zahlreich und real zu machen.“
Er berichtete von einem Treffen mit lokalen Politiker:innen, bei dem er das CIP neben internationalen Großforschungsprojekten mit Fördervolumen in dreistelliger Millionenhöhe vorstellen sollte. „Ich fühlte mich fast etwas fehl am Platz“, sagte er schmunzelnd. „Doch in der Diskussion kam als erstes Thema wieder unser Community-Impact-Projekt auf. Da wurde klar: Dieses Engagement ist der Region wirklich wichtig.“
Fruchtmann betonte, dass der Aufruf offen ist für alle regionalen Organisationen, Schulen, Unternehmen, Start-ups und Initiativen mit konkretem Bedarf: „Wenn es eine Herausforderung in Bremen Nord oder der Region gibt, sollen die Menschen uns kontaktieren. Der Ausgangspunkt ist immer derselbe: Was wird gebraucht – und wie können wir helfen? Unsere Wissenschaft steht im Dienst realer Probleme.“